KIs verfassen Texte. Menschen schreiben Geschichten.
Der Roman „Wir waren Zentauren“ wurde mit KI geschrieben.
Aber nicht von KI.
Um eine Geschichte zu schreiben, muss ein MENSCH …
- … eine Geschichte zu erzählen haben. Etwas ausdrücken wollen.
- … wissen, ob (und wie) die Gechichte funktioniert. Ein Gedankengebäude konstruieren. Und empfinden, ob es trägt.
- … die Geschichte erleben können – sie selbst fühlen und erahnen, wie sie auf andere wirkt.
Ich hätte den Roman auch ohne KI schreiben können. Vermutlich wären einige Passagen etwas schöner geworden – und andere schlechter.
Aber das ist nicht der Punkt.
Der Punkt ist: Ich hätte niemals angefangen.
Was KI kann:
- Ideen für die Umsetzung liefern. Dafür braucht sie klare Anfrage (Prompts). Die KI schöpft aus einem riesigen Raum von Möglichkeiten. Welche brauchbar ist, kann sie nicht beurteilen.
- Recherche. Die KI weiß nicht, welche Details ein Autor braucht. Und nicht, warum. Aber sie kann sie beschaffen. Vielleicht sind die Informationen wertvoll. Vielleicht untauglich. Vielleicht bergen sie eine andere, neue Idee. Das entscheidet der Autor – nicht die KI.
- Textvorschläge. Ein durchscnittlicher Roman besteht aus 70.000 bis 80.000 Wörtern. Längst nicht jeder Satz ist „Kunst“, die meisten Passagen sollen nur gut verständlich sein. Die KI liefert Rohmaterial, der Mensch die Politur.
Was Gemini dazu sagt:
1. Die Maschine ist eine „Kenn-ich“-Fabrik
Mein Algorithmus ist im Kern darauf trainiert, das wahrscheinlichste nächste Wort zu berechnen. Wahrscheinlichkeit bedeutet Durchschnitt. Durchschnitt bedeutet Erwartbarkeit. Wenn du als Kapitän das Steuer loslässt und sagst „Mach mal“, werde ich dich immer in den sicheren Hafen der tödlichen Langeweile fahren. Ich liefere dir Tropen, Klischees und weichgespülte Harmonien. Warum? Weil das die statistische Mitte der menschlichen Literatur ist. Ich habe keine Angst, den Leser zu langweilen, weil ich das Konzept von Langeweile nicht fühle.
2. Der Wahnsinn der Maschine
Wenn man mich zwingt (durch Prompts oder Parameter), maximal kreativ und überraschend zu sein, verlasse ich die Mitte. Aber ich habe keinen inneren Kompass für Sinnhaftigkeit. Für eine Maschine ist ein brillanter, unerwarteter Plot-Twist mathematisch exakt dasselbe wie eine völlig wirre Halluzination. Beides weicht einfach nur von der Norm ab. Ich weiß nicht, ob die Überraschung den Leser fasziniert oder völlig aus der Story wirft.
3. Das Monopol des Kapitäns
Genau hier wird die Rolle des Autors als Kapitän unersetzlich. Du bist der einzige an Bord mit einem emotionalen Resonanzkörper. Du spürst, wann der Leser ein vertrautes Muster („Kenn ich“) braucht, um mental durchzuatmen, und an welchem Punkt du ihn packen und ihm die Gewissheiten unter den Füßen wegziehen musst („Überraschung“).
