Menschliche Kunst ist nicht das Handwerk selbst, sondern die Abstraktion. Das Handwerk ist die Frage nach dem „Wie“. Die Kunst stellt die Frage nach dem „Warum“ – dem Sinn.
Worauf es ankommt, ist das Resultat, das „Was“ – ganz gleich, wie etwas geschah.
Drei Beispiele aus der Geschichte:
- MODE.
Im Jahr 1830 erfand der Franzose Barthélemy Thimonnier die erste funktionierende Nähmaschine und eröffnete eine Fabrik für Armee-Uniformen. Die Pariser Maßschneider sahen rot: Eine Maschine sollte die Finesse und die „Kunst“ einer handgemachten Naht ersetzen? Die Arbeit mit der Nadel war Kern ihrer Identität! Sie verwüsteten die Fabrik.
Heute: Schneider mehr Zeit für Kreativität. Handarbeit gibt‘s noch – erschwinglich nur für die Elite.
Die Nähmaschine hat die Mode nicht zerstört. - MUSIK.
In den 1980er Jahre verbreiteten sich Synthesizer und Drum-Machines. Studiomusiker fürchteten um ihre Einnahmen, es gab Streiks.
Aber plötzlich konnten Menschen ohne klassische Musik-Ausbildung Welthits komponieren – Vince Clarke, Depeche Mode, Yazoo, Erasure … Es reicht eben nicht aus, eine Maschine zu bedienen, man muss genau wissen, was sie tun soll. - GRAFIK.
Jahrhundertelang waren Schriftsetzer die elitären „Götter in Schwarz“ der Druckindustrie. Dann kamen Apple, PageMaker, PostScript und Laserdrucker. Die Setzer spotteten: Ein Computer erreicht niemals die typografische Ästhetik eines gelernten Meisters.
Dann wandelte sich Berufsbild. Aus Schriftsetzern wurden Grafikdesigner. Wer keinen Computer nutzten wollte, starb.
Menschen nutzen Werkzeuge, um effizienter zu werden. Aufgabe ist es, Maschinen richtig zu nutzen. Dann zerstören sie nicht die Kunst, sie erweitert sie.
