WWird eine KI irgendwann „menschlich“ werden? Diese Frage wird oft gestellt, und ich halte sie nicht für trivial.
Menschen sind ein Produkt der Evolution. Ihre Existenz folgt denselben Regeln der Natur wie alles andere, was wir kennen. Das, was wir „Bewusstsein“, „Gefühl“ oder „Intuition“ nennen, ist das Resultat komplexer Datenverarbeitung im Gehirn über die Zeit unserer Existenz – allerdings in vielen Hirn-Bereichen, in die wir deutlich weniger Einblick haben als in unsere Gedanken.
Mit dem Bau von KI ist es Menschen gelungen, den Neokortex unseres Gehirns teilweise auf Silizium abzubilden. Physikalisch spricht wenig dagegen, dass dies auch mit anderen Hirn-Bereichen in ein paar Jahren möglich ist. Sensoren, wie sie bei Robotern eingesetzt werden, liefern die Daten für eine physische Wahrnehmung. Neue KI-Architekturen werden die LLMs ablösen oder ergänzen. Sie werden ein Lernen in Echtzeit ermöglichen, ein Gedächtnis, das sortiert, priorisiert und vergisst. Und wahrscheinlich auch die Modellierung einer Selbstreferenz. Ich glaube nicht, dass wir eine Kopie des Menschen erschaffen werden. Aber vielleicht entsteht auf diese Weise eine neue Entität.
Es geht nicht darum, diese Entwicklung zu beurteilen, sondern darum, die Chancen zu erkennen. Maschinen werden Menschen nicht ersetzen. Aber zusammen werden wir Ziele erreichen, die weder Mensch noch Maschine allein erreichen können.
Hendrik Moor, im März 2026
